Für E-Commerce-Marken ist die Peak Season die umsatzstärkste und gleichzeitig anspruchsvollste Zeit des Jahres.
Black Friday, Cyber Week und das Weihnachtsgeschäft sorgen innerhalb weniger Wochen für deutlich höhere Bestellmengen und damit für mehr Druck auf Lager, Fulfillment, Versand und Retouren.
Doch was genau bedeutet Peak Season in der Logistik? Welche Termine sollten Sie im Blick behalten? Und was können Sie tun, um auch bei stark steigenden Bestellzahlen zuverlässig zu liefern?
Dieser Artikel zeigt, worauf es bei der Vorbereitung auf die Peak Season ankommt.
Peak Season bezeichnet im E-Commerce die Zeiträume, in denen das Bestellvolumen deutlich über dem normalen Jahresniveau liegt.
Im deutschen E-Commerce konzentriert sich die wichtigste Peak Season in der Regel auf das vierte Quartal: Black Friday, Cyber Week und das anschließende Weihnachtsgeschäft.
Für viele Marken beginnt die Hochsaison allerdings schon früher. Je nach Branche können bereits der Singles Day, saisonale Aktionen oder der Verkaufsstart von Weihnachtsprodukten im September zu einem deutlich höheren Auftragsvolumen führen.
Auch Wareneingang, Lagerbestand, Kommissionierung, Verpackung, Versand und Retouren müssen mit dem zusätzlichen Volumen Schritt halten.
An dieser Stelle zeigt sich schnell, wie belastbar die eigenen E-Commerce-Prozesse wirklich sind.
Während des normalen Geschäftsbetriebs lassen sich viele Prozesse relativ einfach planen. Steigen die Bestellzahlen innerhalb weniger Tage stark an, können dieselben Prozesse plötzlich zu Problemen führen.
Typische Herausforderungen sind:
Die Peak Season stellt damit nicht nur die Kapazität des Lagers auf die Probe, sie zeigt auch, wie gut Systeme, Daten und Prozesse ineinander greifen.
Wenn beispielsweise der Lagerbestand nicht aktuell ist, kann eine erfolgreiche Marketingkampagne schnell zu Lieferschwierigkeiten führen. Wenn Aufträge nicht automatisch priorisiert oder weitergeleitet werden, entstehen Rückstände. Und wenn Retouren nicht eingeplant sind, kann der Aufwand nach Weihnachten unerwartet stark steigen.
Der Singles Day stammt ursprünglich aus China und hat sich auch in Deutschland als zusätzlicher E-Commerce-Termin etabliert. Einige Händler nutzen den Tag für Rabattaktionen oder als Auftakt für die vorweihnachtliche Verkaufsphase.
Beim Black Friday handelt es sich längst nicht mehr nur um einen einzelnen Aktionstag. Viele Händler verlängern ihre Angebote über die gesamte Woche oder das Wochenende.
In Deutschland verschwimmen Black Friday und Cyber Monday zunehmend zu einer längeren Aktionsphase, die häufig als Black Week oder Cyber Week bezeichnet wird. Gerade wenn eine Kampagne über mehrere Tage läuft, muss das Fulfillment auch nach dem ersten Bestellansturm noch ausreichend Kapazität haben.
Nach Black Friday und Cyber Week beginnt die nächste wichtige Phase: das Weihnachtsgeschäft.
Dabei verändert sich auch das Kundenverhalten. Während Black Friday häufig von Rabattaktionen und größeren Warenkörben geprägt ist, steht im Dezember vor allem die rechtzeitige Zustellung im Mittelpunkt.
Marken sollten deshalb gemeinsam mit ihrem Fulfillment-Partner konkrete Cut-off-Zeiten definieren. Diese sollten nicht nur den letzten Bestellzeitpunkt im Onlineshop berücksichtigen, sondern auch die Zeit für Kommissionierung, Verpackung, Übergabe an den Carrier und tatsächliche Zustellung.
Wichtig ist außerdem, zwischen nationalen und internationalen Sendungen zu unterscheiden. Die Versandfristen können je nach Zielland und Versandservice deutlich voneinander abweichen. DHL beispielsweise veröffentlicht für das Weihnachtsgeschäft eigene Abgabetermine für nationale und internationale Sendungen.
Die wichtigste Frage lautet: Wie viele Bestellungen erwarten Sie?
Dabei sollten Sie nicht ausschließlich die Zahlen des Vorjahres betrachten. Berücksichtigen Sie auch geplante Marketingkampagnen, neue Vertriebskanäle, Sortimentserweiterungen und das erwartete Wachstum.
Ein hohe Nachfrage bringt wenig, wenn Produkte nicht verfügbar sind.
Vor der Peak Season sollten deshalb Bestände und Nachfrageprognosen gemeinsam betrachtet werden. Identifizieren Sie Ihre wichtigsten SKUs und stellen Sie sicher, dass ausreichend Bestand verfügbar ist.
Dabei sollten Sie nicht nur die Gesamtmenge im Lager berücksichtigen, sondern auch, ob die Bestandsdaten über Shop, Marktplätze, ERP und andere Systeme hinweg konsistent sind.
Eine zentrale und möglichst aktuelle Bestandsübersicht hilft, Überverkäufe und Stornierungen zu vermeiden.
Ihr Fulfillment-Partner sollte frühzeitig wissen, welche Bestellmengen auf ihn zukommen. So können zusätzliche Personal- und Lagerkapazitäten eingeplant werden.
Auch saisonale Schwankungen innerhalb der Peak Season sollten berücksichtigt werden. Ein Lager, das den Black Friday bewältigt, kann nicht automatisch auch das anschließende Weihnachtsgeschäft ohne Verzögerungen abwickeln.
Black Friday Fulfillment stellt viele Marken vor besondere Herausforderungen, weil hohe Auftragsmengen innerhalb sehr kurzer Zeit entstehen.
Als Teil der Planung sollten daher alle zentralen Prozesse getestet werden:
Automatisierte Prozesse können dabei helfen, zusätzliche Bestellungen zu bewältigen.
In der Peak Season sind auch die Versanddienstleister stärker ausgelastet. Deshalb sollte frühzeitig geklärt werden, welche Kapazitäten zur Verfügung stehen und welche Servicelevel realistisch zugesagt werden können.
Ein Multi-Carrier-Ansatz kann hier zusätzliche Flexibilität schaffen. Wenn mehrere Versanddienstleister verfügbar sind, lassen sich Sendungen je nach Ziel, Servicelevel oder Kapazität verteilen.
Wichtig ist außerdem eine realistische Kommunikation der Lieferzeiten.
Ein zu ambitioniertes Lieferdatum kann während der Peak Season schnell zu enttäuschten Kunden führen. Besser ist ein Lieferzeitversprechen, das auch bei höherem Volumen zuverlässig eingehalten werden kann.
Nach den Weihnachtsfeiertagen steigt das Retourenvolumen bei vielen E-Commerce-Marken deutlich an. Besonders im Fashion-Bereich können Retouren einen erheblichen zusätzlichen Arbeitsaufwand verursachen.
Deshalb sollte das Fulfillment nicht nur die Hinlieferung berücksichtigen.
Einer der häufigsten Fehler in der Peak Season ist eine fehlende Abstimmung zwischen Marketing und Logistik.
Wenn beispielsweise eine Marke mit einem hohen Rabatt eine große Kampagne startet, muss das Fulfillment auf die daraus resultierende Nachfrage vorbereitet sein.
Marketing und Operations sollten deshalb frühzeitig gemeinsam planen:
Welche Kampagne startet wann? Welche Produkte werden beworben? Welches Bestellvolumen wird erwartet? Welche Kapazität steht zur Verfügung?
Auch die beste Planung kann nicht jedes Problem verhindern.
Adressen können falsch sein. Produkte können beschädigt werden. Bestellungen können nicht vollständig lieferbar sein. Versanddienstleister können Verzögerungen verursachen.
Definieren Sie vor der Peak Season klare Prozesse für typische Ausnahmefälle. Je mehr davon automatisiert oder standardisiert werden können, desto weniger manuelle Arbeit entsteht während der stressigsten Zeit des Jahres.
Ein sinnvoller Zeitplan könnte so aussehen:
Wenn Bestände korrekt sind, Aufträge zuverlässig verarbeitet werden, ausreichend Kapazität vorhanden ist und Versand sowie Retouren funktionieren, kann die Peak Season eine Wachstumschance sein.
Wenn dagegen manuelle Prozesse, fehlende Transparenz oder zu geringe Kapazitäten zu Verzögerungen führen, können die Auswirkungen weit über den November und Dezember hinausreichen.
Mit einer frühzeitigen Planung, realistischen Nachfrageprognose, ausreichenden Kapazitäten und einem zuverlässigen Fulfillment-Partner an Ihrer Seite schaffen Sie die Grundlage für eine erfolgreiche Peak Season.