Unternehmen, die Nahrungsergänzungsmittel vertreiben, müssen beim Thema Fulfillment besondere Anforderungen erfüllen.
Produkte müssen unter geeigneten Bedingungen gelagert werden, Chargen und Mindesthaltbarkeitsdaten müssen nachvollziehbar sein und Rückrufe oder Reklamationen müssen sich im Ernstfall schnell bearbeiten lassen.
Gleichzeitig verkaufen viele Supplement-Marken auf mehreren Vertriebskanälen und internationalen Märkten. Damit steigen auch die Anforderungen an Bestandsverwaltung, Versand und Compliance.
Der richtige Fulfillment-Partner sollte deshalb nicht nur Bestellungen zuverlässig verschicken, sondern auch die besonderen Anforderungen Ihrer Branche verstehen.
Dieser Leitfaden zeigt auf, worauf Sie bei der Auswahl eines Anbieters achten sollten.
Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel. Damit gelten für sie andere Anforderungen als beispielsweise für Kleidung oder Elektronik. Lebensmittelunternehmen müssen unter anderem die Rückverfolgbarkeit entlang der Lieferkette sicherstellen.
Auch die Lagerung und Handhabung gehören zur Lebensmittelsicherheit. Lebensmittelunternehmer müssen geeignete Verfahren auf Basis der HACCP-Grundsätze und guter Hygienepraxis einsetzen und sicherstellen, dass die Anforderungen während Lagerung und Vertrieb eingehalten werden.
Ein geeigneter Partner sollte beispielsweise nachvollziehen können:
Beim Vergleich von Fulfillment-Dienstleistern stehen oftmals zunächst Preise, Lieferzeiten und Lagerflächen im Mittelpunkt. Für Nahrungsergänzungsmittel sollte Compliance jedoch schon frühzeitig in den Auswahlprozess einbezogen werden.
In Deutschland liegt die Verantwortung für die Einhaltung der lebensmittelrechtlichen Anforderungen beim Lebensmittelunternehmer beziehungsweise Inverkehrbringer.
Nahrungsergänzungsmittel müssen außerdem spätestens beim ersten Inverkehrbringen in Deutschland beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) angezeigt werden. Die Eingangsbestätigung einer solchen Anzeige bedeutet allerdings nicht, dass das Produkt behördlich auf seine Verkehrsfähigkeit geprüft oder zugelassen wurde.
Der Fulfillment-Partner übernimmt diese rechtliche Verantwortung nicht automatisch. Er kann aber einen wichtigen Teil der operativen Voraussetzungen schaffen, damit Ihre Prozesse kontrollierbar und nachvollziehbar bleiben.
Fragen Sie potenzielle Anbieter deshalb:Ein guter Anbieter sollte diese Fragen konkret beantworten können. Allgemeine Aussagen wie „Wir erfüllen alle gesetzlichen Anforderungen“ reichen für die Auswahl eines zuverlässigen Partners nicht aus.
Supplement-Marken verkaufen häufig über mehrere Kanäle: einen eigenen Onlineshop, Marktplätze, Einzelhändler oder B2B-Kunden.
Ohne zentrale Bestandsübersicht wird es schwierig, jederzeit zu wissen, welche Mengen tatsächlich verfügbar sind.
Eine moderne Fulfillment-Plattform sollte deshalb Bestände möglichst in Echtzeit abbilden und mit den relevanten Verkaufskanälen verbinden.
Gerade bei Supplements kann zum Beispiel ein Überbestand problematisch sein, wenn Produkte eine begrenzte Haltbarkeit haben.
Viele Supplement-Marken starten in Deutschland und expandieren anschließend nach Österreich, in die Schweiz oder weitere europäische Märkte.
Mit jedem neuen Markt kommen zusätzliche Anforderungen hinzu. Dazu können unterschiedliche Kennzeichnungsanforderungen, nationale Vorschriften, Steuer- und Zollthemen sowie unterschiedliche Versandwege gehören.
Ein geeigneter Fulfillment-Partner sollte deshalb mehr bieten als internationalen Paketversand.
Prüfen Sie:
Gerade für wachsende Marken kann ein internationales Fulfillment-Netzwerk Vorteile bieten. Lagerbestände lassen sich näher an den Kunden positionieren und Lieferwege verkürzen.
Allerdings sollte die geografische Reichweite nicht das einzige Kriterium sein. Entscheidend ist, ob der Anbieter die Prozesse auch bei wachsender Komplexität zentral und transparent steuern kann.
Ein zurückgesendetes Produkt kann beschädigt oder nicht mehr für den Wiederverkauf geeignet sein. Deshalb sollte ein Fulfillment-Partner klare Prozesse für die Prüfung und Abwicklung von Retouren haben.
Eine schnelle Rückerstattung ist für den Kunden wichtig. Für Unternehmen ist aber ebenso wichtig, dass nicht verkaufsfähige Produkte nicht versehentlich wieder in den verfügbaren Bestand gelangen.
Retourenmanagement sollte deshalb als Teil des gesamten Bestandsprozesses betrachtet werden.
Supplement-Marken können ihr Bestellvolumen schnell steigern. Ein Produktlaunch, Influencer-Kampagne, saisonale Nachfrage oder die Aufnahme in einen neuen Vertriebskanal können innerhalb kurzer Zeit deutlich mehr Bestellungen erzeugen.
Ein Fulfillment-Partner sollte solche Schwankungen abfangen können, ohne dass die Qualität der Prozesse darunter leidet.
Achten Sie auf:
Dabei lohnt sich ein Blick auf das zukünftige Bestellvolumen: Ein Partner, der heute 500 Bestellungen pro Tag problemlos bearbeitet, ist nicht unbedingt die richtige Wahl für eine Marke sein, die in naher Zukunft 5.000 Bestellungen pro Tag erwartet.
Macht die Technologie Ihre Prozesse einfacher oder entstehen dadurch zusätzliche manuelle Arbeitsschritte?
Eine gute Fulfillment-Plattform sollte Informationen zu Beständen, Bestellungen, Versand und Retouren zentral zusammenführen.
Besonders relevant sind:
Je mehr Systeme miteinander verbunden sind, desto weniger Informationen müssen manuell übertragen werden. Das reduziert Fehler und schafft eine bessere Grundlage für operative Entscheidungen.
Beim Vergleich von Fulfillment-Anbietern ist der Preis wichtig. Er sollte aber nicht das einzige Entscheidungskriterium sein. Vergleichen Sie stattdessen die gesamten Kosten des Fulfillment-Prozesses.
Dazu gehören unter anderem Onboarding- und Einrichtungskosten, Pick & Pack, Verpackung, Retouren, Technologie, Zusatzleistungen, Mindestmengen und Kosten für Sonderprozesse.
Ein günstiger Anbieter kann langfristig teurer sein, wenn Bestände nicht transparent sind, viele manuelle Prozesse notwendig werden oder internationale Expansion zusätzliche Systeme erfordert.
Es sollte deshalb nicht nur der Preis pro Bestellung betrachtet werden, sondern auch die Gesamtkosten und die Frage, welche Leistung dafür erbracht wird.
Bevor Sie einen Vertrag unterschreiben, sollten Sie potenzielle Partner gezielt vergleichen. Diese Fragen helfen dabei:
Compliance und QualitätEin guter Fulfillment-Partner für Nahrungsergänzungsmittel sollte Ihre operativen und branchenspezifischen Anforderungen verstehen.
Bei der Wahl des richtigen Fulfillment-Partners sollte Compliance von Anfang an berücksichtigt werden. Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel, und Anforderungen wie Rückverfolgbarkeit, sichere Lagerung und nachvollziehbare Prozesse müssen auch im Fulfillment berücksichtigt werden.
Gleichzeitig sollte ein Fulfillment-Anbieter mit Ihrem Unternehmen wachsen können. Internationale Märkte, mehrere Vertriebskanäle, steigende Bestellvolumen und komplexere Anforderungen dürfen nicht immer mehr neue manuelle Prozesse schaffen.
Der beste Anbieter ist deshalb nicht zwangsläufig der günstigste oder der mit den meisten Lagerstandorten. Entscheidend ist, ob er Compliance, Bestandskontrolle, Technologie, Retouren und internationale Fulfillment-Prozesse zuverlässig miteinander verbinden kann.
Für Marken, die langfristig wachsen möchten, wird das Fulfillment für Nahrungsergänzungsmittel damit zu einem wichtigen Bestandteil der Unternehmensstrategie.